Volksaltar und Ambo
Grundgedanke für die Neugestaltung des Altarraums 2003 war neben den liturgischen Anforderungen das Wort des Kirchenpatrons Stephanus: “Ich sehe den Himmel offen”. Diese Öffnung des Himmels soll vor allem durch das Element Glas zum Ausdruck gebracht werden. Die beiden Objekte wurden vom Straßengler Künstler Fred (Gottfried) Höfler geschaffen und 2003 aufgestellt.
Der Volksaltar ist ein gebrochener Stein mit einer Glasplatte. Dies steht für:
- Stephanus Wort: “Ich sehe den Himmel offen” – Auch in der Feier der Eucharistie tut sich der Himmel auf
- Ein geöffnetes Grab – Wir beten ” … deine Auferstehung feiern wir …”
- Das Zerbrochene im Leben jedes Menschen – Das Leben ist geprägt von Abschiednehmen von Menschen, die uns lieb waren, seelisches Leid, Krankheit und schließlich der eigene Tod, lassen in unserem Leben viele Brüche entstehen. All diese Abgründe sind im Kreuzesopfer Christi, das in der Messfeier gegenwärtig wird, aufgehoben und werden in die Auferstehung hinein verwandelt.
- Der Bund Gottes mit uns Menschen – Die zwei Teile stellen die Pole dar, – Himmel und Erde -, Gott und Mensch -, in der Feier der Eucharistie wird beides eins.
Der Künstler sagte im Pfarrblatt (2003/2) selbst darüber: “Der Stein des Altars, der auseinanderklafft, stellt die Öffnung des Grabes dar. Dadurch wir der Brennpunkt des christlichen Glaubens, die Auferstehung Christi, dargestellt. Zugleich wird ein Durchblick geschaffen. Durch die Verwendung von Glas als Altarplatte sowie bei Ambo und der Sessio soll die optische Barriere zum Hochaltar hin überwunden werden und der Kirchenraum in seiner ganzen Pracht zur Geltung kommen.” und zum Stein: “Es ist dies ein Jura-Kalkstein aus Deutschland. Er zeichnet sich durch die Lebendigkeit der Einschlüsse aus. Beide Hälften des Altars sind aus einem Block.”
Und im Sonntagsblatt (23.11.2003) deute Alois Kölbl: “Christus hat durch seine Auferstehung den Stein des Grabes gesprengt, der Auferstande ist es auch, der den Erzmärtyrer Stefanus den geöffneten Himmel schauen lässt. Die Feier der Eucharistie öffnet uns ein Fenster zur himmlichen Liturgie der Engel und Heilgen Gottes. Zugleich lassen die beiden Teile auch die ganze Schöpfung – Geist und Materie -, in die Christus, der Gottessohn, als einer von uns eingetaucht ist, ankligen. Die neu, unsichtbare Wirklichkeit hat in dem nach oben sich öffnenden Spalt die fest gefügte Schöpfung für das himmliche Jenseits geöffnet. In dieser Spannung stehen wir und dürfen wir Eucharistie feiern.”
2003 wurden auch die Reliquien eines unbekannten Heiligen aus dem Hochalter gelöst und in den neuen Altar eingefügt.
Das Ambo ist aus Glas, dass mit Steinen (“Murnockerl”) aus unserem Ort gefüllt ist. Einige Steine sind beschriftet. Die Bezüge sind:
- Stephanus hat das Wort Gottes verkündigt, so sehr dass sie sich die Ohren zuhielten und ihn vor die Stadt trieben um ihn zu steinigen.
- Das gläserne Ambo lässt durchblicken nicht nur auf die Steine in der Stele in der Mitte sondern es öffnet den Raum
- Die Steine sind von Gläubigen gebracht und sind Sinnbild für Freude und Leid der Pfarrgemeinde.
Oder in den Worten von Alois Kölbl im gleichen Artikel im Sonntagsblatt: “Noch mancher Stein liegt auf dem irdischen Weg unsers Lebens, manche Brüche und Abgründe verstellen uns den Blich auf unser erlöstes Dasein. Durch die Menschwerdung Jesu werden sie nicht ausradiert, sonder er hat sie ans Holz des Kreuzes getragen. Er ist da auch in den Abgründen unseres Lebens. Diese befreiende Botschaft klingt weiter in den Steinen, auf die die gläserne Ambo-Stele blicken lässt. Das Wort Gottes scheint sie gerundet zu haben wie ein Fluss, die in seinem Bett liegenden Kiesel. Das Evangelium formt nicht nur das Leben der Gläubigen, es brauch sie auch in ihrem Lebenszeugnis, um in der Welt wirkmächtig werden zu können.”
Fred Höfler
Der Bildhauer, Maler und Grafiker Fred Höfler (Taufname Gottfried) kam 1934 in Preding in der Steiermark zur Welt und lebte mit seiner Familie in Straßengel. Der Künstler, dessen Großvater als Altarschnitter und Orgelbauer gewirkt hat, erhielt seine erste Ausbildung als Restaurator. Um sich künstlerisch zu vervollkommnen, besuchte Fred Höfler zahlreiche Seminare. Unter anderem war er bei Lois Lindner in Salzburg, an der Bauhütte des Kölner Doms, bei Oskar Kokoschka und G. Manzu, zeichnete Akt bei Böckl in Wien und übte sich in Grafik und Restauration bei A. Egger.
Von den zahlreichen Auftragsarbeiten, die der Künstler in den letzten Jahren vollendet hat, seien hier erwähnt: Die Kopie des Gnadenbildes in Straßengel, der Kreuzweg auf den Straßengler Kirchberg (49 Sandsteinreliefe); das Wappen für Bischof Johann Weber; das Relief für das Grazer Tierheim “Arche Noah”; Entwurf und Ausführung der Geramb-Rose, einer Auszeichnung für schönes Bauen in der Steiermark; die Geramb-Gedenk-Plakette; der Gnadenschlüssel von Stift Rein; die Gedenkmedaille zum Katholikentag. Für die Stiftsbasilika Rein schuf er den Volksaltar, Ambo, Taufbecken und Opferstock. Das Bronzekreuz am Portal der neuen Pfarrkirche von Lannach.
Auch bei öffentlichen Wettbewerben war Fred Höfler erfolgreich: die vier Meter hohe Marmorskulptur für das Schulzentrum Gratwein, Großplastiken in Gleinstätten und UKH Graz. Als Designer hat er sogar Rennräder entworfen.
In Gratkorn sind seine Hauptwerke im pfarrlichen Bereich: Volkaltar und Ambo (2003), Brunnen der Trauer und Kreuz der Hoffnung (Brunnen der Tröstung, beides am Friedhof 1992). Im Ort: Fassadengestaltung an Wohnhäusern am Hausberg, Koloniegasse und Bruckerstraße.
(frei nach einem Artikel aus dem Pfarrblatt 1992-1)